Der Missbrauch des Ehrenrats als Mittel zur Festigung der Macht

Jetzt stellen wir uns kurz vor, wieviel Geld man sparen und Ansehen man als Verein bewahren könnte, wenn man in die Satzung einen Ehrenrat aufnimmt, der als Schiedsgericht fungiert und unabhängig vom Ansehen der vereinsinternen Kontrahenten schlichtet. Könnte das nicht schön sein?
 
Aber das wäre ja nicht Schalke!
 
Und deshalb tun wir so, als wenn wir sowas hätten, wobei es sich in der grausamen Realität um ein abhängiges Gremium handelt, welches aber nur als Chefankläger für den von einigen immer noch als „Schalke-Boss“ betitelten ARV fungiert.
 
Wenn dann irgendwann der letzte Kritiker mundtot ist und der vereinseigene Finanzjongleuer vom königsblauen Stachel eine bedeutungsschwangere Miene aufgesetzt hat, kommt der für viele Fans, die dann trotz tlw. bereits erhaltener Silbernadel kein Mitglied mehr sind, undenkbare Ausspruch: „So ein Wirtschaftsbetrieb kann als Verein ja nicht konkurrenzfähig agieren.“
 
Daraufhin werden sich die übriggebliebenen Klatschpappenhalter, die zum Zwecke leichteren Zugangs zu Tickets Mitglieder geworden sind, in ihren Jubelstürmen überbieten, das richtige Knöpfchen bei der Abstimmung drücken und den Tod des eigentlichen Fussballclubs besiegeln. Sie merken es nicht! Freudetrunken von einem halben Liter Freibier und einer kostenlosen Bratwurst pro Nase tanzen sie auf der Asche der Tradition, die sie auf preisgünstigen Shirts für, ja natürlich, 19,04 Euro weiterhin angeblich hochhalten.
 
Und eine kleine Schar ehemals streitbarer Schalker wird dann auf einer Mythos-Gräbertour von einer Gedenkstätte zur anderen wandern, dabei Tränen vergießen, als wären die dort Beigesetzten erst frisch verstorben und den letzten Weg zum größten aller Grabsteine gehen, der neben der Kurt-Schumacher-Strasse weithin sichtbar sein weißes Dach erhebt.

Schalker Vereinsleben? Ohne mich!

So, was sich jetzt schon einige Tage andeutete, wird nun Gewissheit: ich bin raus!

Eine Entscheidung mit Gründen, die deutlich mehr als 140 Zeichen benötigen und damit ein optimaler Moment, meinen persönlichen Notiz-Blog mal wieder mit ein paar Zeilen zu befüllen.

Durchaus auch aus gesundheitlichen Gründen werde ich meine Mitgliedschaft beim FC Schalke zumindest ruhen lassen, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit sogar ganz beenden. Hintergrund ist aber vor allem die übermäßige „Meinungsfreude“ allenthalben, welche in vielen Fällen auch über das Maß hinausschießt, mit dem ich anderen Menschen begegnen will. Wer mich kennt, der weiß, dass ich bestimmt nicht konfliktscheu bin, aber mit welchen Freuden oder Ärgernissen, also auch mit welchen Konflikten ich mein Privatleben verbringe, versuche ich mir weitestgehend selbst auszusuchen.

Das Leitbild des FC Schalke 04, aber auch mein eigenes, werden von vielen Leuten nicht im Ansatz gelebt. Dabei rede ich noch nicht einmal davon, es auch nach außen zu tragen und sich damit womöglich wohlwollend von anderen Menschen abzuheben. Selbst intern ist nicht der Hauch einer Spur davon zu sehen.

„Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.“ – Hermann Hesse

Ja, ich bin (mittlerweile) gegen die Wiederwahl von CT und habe dafür in den letzten Wochen auch Meinung gemacht, weil ich nach den Erfahrungen des letzten Jahres glaube, dass es besser ist. Ich glaube aber auch, dass diese Zeit dem Verein insgesamt geschadet hat, ungeachtet des Wahlausgangs. Dabei bleibt der Auslöser nun einmal der derzeitige Vorsitzende des Aufsichtsrates, ob und wieviel Schuld er nun daran hat, oder nicht. Wobei, das ob kann man gleich streichen, dafür sind einige Dinge wie zum Beispiel die jetzt erscheinden Artikel der Tönnies-Spezis zu offensichtlich und fallen denkenden Menschen durchaus auf (z. Bsp. Torsten im Königsblog an dieser Stelle), gleich ob sie dann zum Ergebnis kommen, dass sie CT dennoch wählen wollen oder halt nicht.
Einschub: Kennt eigentlich einer diese Geschichten, wo einer, wenn er jemand anderen wirklich so liebt wie er vorgibt, dem anderen einfach die Freiheit gibt, sich zurückzieht und sich daran erfreut, dass der andere in Ruhe leben kann? Da wäre die goldene Brücke gewesen, die CT gefordert hat, mit dem Nebeneffekt, dass er seine Aussage von vor drei Jahren wahr gemacht hätte, sich nicht mehr zur Wahl stellen zu wollen, wenn dies zu Auseinandersetzungen führt. Aber dies nur als kleiner Einwurf am Rande!

Schlimm in den Diskussionen der letzten Tage und Wochen sind aus meiner Sicht vor allem jene, die gar ein Interesse an einem Austausch von Argumenten haben, gar nicht erst nachdenken und dann womöglich gar beleidigend werden. Das ist, wie oben angedeutet, derzeit häufiger der Fall und betrifft Leute aus allen Lagern (pro,kontra, wenn auch seltener neutral) genauso wie Leute, ob ich sie persönlich kenne oder nicht. Da werden Diskussionen geführt, wo Typ A den Typ B als dauernörgelnden Vollpfosten darstellt, und wenn dieser sich gegen eine solche Behauptung verwahrt, mahnt ausgerechnet A bei B Sachlichkeit an. Ich fasse es nicht!

Genauso verurteilenswert sind die pauschalen Unterstellungen gegen andere Diskutanten. Dass es bezogen auf Hauptakteure der anstehenden Wahl schon eine deutliche Ausdehnung von Wahrheit bzw. Vertuschung von Fakten gegeben hat, ist eigentlich schlimm genug und ein absolut unwürdiges Schauspiel, welches gerade hinsichtlich der „Amtsinhaber“ aus Vorstand, Aufsichtsrat bis hin zum Ehrenpräsident bzgl. der Vorbildfunktion absolut inakzeptabel ist. Und abgesehen davon, dass es sich nicht gehört, sich seine Kontrollfunktionäre selbst auszusuchen, ist es nicht Aufgabe eines Angestellten dem obersten Beschlussorgan seines Arbeitgebers Wahlempfehlungen auszusprechen. Fresse halten und Leistung für das üppige Gehalt zum Wohle des Vereins erbringen wäre angesagt, statt populistischen Schwachsinn in georderten Artikeln abzusondern und damit den Eindruck zu erwecken, der Verein wäre nix und man wäre nur wegen der persönlichen Nähe zu einer einzelnen Person da. Schalke ist der Verein, damit der Mittelpunkt und steht somit über jedem einzelnen Mitglied!

Als wenn das nicht schlimm genug wäre, und das bewegte mich noch mehr und war im einleitenden Satz des letzten Absatzes schon angedeutet, ging es auch innerhalb der eigentlich Unbeteiligten, also der nur Wählenden (wenn wenigstens Mitglied), mit Beleidungen und Unterstellungen rund, die nicht mehr mit anzuhören sind. Die Meinung eines anderen entspricht nicht der eigenen? Dann nimm es gefälligst hin, wenn eine sachliche Diskussion Dich nicht von seinem oder ihn von Deinem Standpunkt überzeugen kann. Aber darüber zu spekulieren, ob jemand wirklich einen von einer Kommunikationsagentur kennt, die schon seit langen Jahren für einen Betrieb aus Rheda tätig ist (und deren Chef sogar als „Pressesprecher“ für jenen Betrieb fungiert) oder ob ein anderer seine Beiträge jetzt nach der Anzahl der zugesandten Trikots oder der Versprechung auf eine Anstellung im Bereich Social Media des Vereins schreibt, wird uns in der Sache aber nicht einen Millimeter weiterbringen. Eher sogar viele Meter zurück, wie ich vermute. Und dabei habe ich mich schon weitgehend aus dem tiefsten Sumpf, also den Schalke-Foren, rausgehalten und mir somit den größten Schwachsinn weitestgehend anonymer Schreibartisten erspart, für deren Aluhütte die Folie aus dem örtlichen Penny nicht ausreichend wäre.

Dies alles hat mich veranlasst, unabhängig von einer Wahlentscheidung auf der Mitgliederversammlung, dem Vereinsleben Lebewohl zu sagen und mich auf zumindest erquicklichere, womöglich gesündere Zeitvertreibe zu konzentrieren. Fußballerisch wird Schalke immer zu den zwei Vereinen gehören, für die mein verfettetes Herzchen pocht, aber gewisse Grenzen werden dabei nicht mehr überschritten werden. Sollte dies in der Zukunft dazu führen, dass ich dem einen oder anderen nicht mehr folgen bzw. per Freundschaft auf Facebook verbunden sein kann, ist dies ein reiner Selbstschutz und zumindest bis zum Beweise des Gegenteils nicht persönlich ausgeprägt.

Ein Wochenende ohne Fußball

Am Freitag zu spät nach Hause kommen, St. Pauli liegt schon zurück. Wirklich? Ja! Kaum zu glauben, ist doch nur Paderborn. Aber doch, es steht 0:2. Kaum später 1:3, zum Schluß 3:4. Ich ahne Schlimmes.
Anschließend Schalke in Berlin. Morgens sagt mein Physio zu mir: „Heute Abend können wir ja Dritter werden.“ Meine spontane Antwort: „So schön hat noch nie jemand gesagt, dass wir verlieren!“ Immer, so glaubt der Schalke-Fan, wenn wir einen großen Schritt machen können, gibt es einen auf den Sack. Oder wie es der Congstar ausdrückte:

Damit bestätigte sich um 22:18 Uhr, was sich gut zwei Stunden vorher bereits ankündigte: an diesem Wochenende gab es keinen Fußball und wird es demnach auch keinen Fußball geben. Besser ist das, für meine geschundene Fußballseele. Sowohl die jüngere, braun-weiße, als auch die ältere, die königsblaue.

Ein (in dieser Form) sinnloser Abend

Am 8. Oktober schrieb der User „Drin das Ding“ in Block 5 als Teil einer Zusammenfassung einer öffentlichen Bezirksversammlung mit ca. 100 Leuten, wo es Aussagen von den Herren Kloos, Arndt und Lange gab:

„Laut Arndtie lässt der Vorstand kommende Woche Freitag nicht nur die Hose runter, sondern zieht diese sogar komplett aus.“

Und nach allem, was man so hört, stimmte das auch. Allerdings nicht, um sich komplett nackig zu machen und zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen, wie der Satz erwarten ließe, sondern nur, um den ca. 700 versammelten Fanclub-Mitgliedern den dreckigen Arsch ins Gesicht zu halten. Es sind (zugegeben nur vom Hörensagen vernommene) Aussagen dabei, die einen hinsichtlich der Dreistigkeit verzweifeln lassen:

  • Niemand verbietet mir trotz laufenden Verfahrens, die Mitglieder zu informieren, die mich gewählt haben (es sei denn, ich müsste befürchten, dass ich mich belaste). Können sich nicht nur die Schuldigen belasten? Der Vorstand hat eine Berichterstattung zur Aussprache/zu den Vorwürfen mit einem solchen Hinweis abgelehnt.
  • Alles wurde zum 21.09.2015 zurückbezahlt? Was denn zurück, wenn doch angeblich nichts war? Damit kann man eine Straftat nicht ungeschehen machen, sondern nur beginnen, tätige Reue zu zeigen (also Schaden wiedergutmachen).
  • Aussage des Abends: „Der Wirtschaftsprüfer hat doch gesagt, dass jetzt (seit der Rückzahlung vom Punkt zuvor – Anmerkung meinerseits) alles in Ordnung ist. Wer mit dieser Aufklärung nicht zufrieden ist, der soll doch bitte den SFCV verlassen!“ (Wortmeldung, ungefährer Wortlaut)
    Wenn das die Prämisse eines Dachverbands ist, dem man offensichtlich unvorsichtigerweise von Vereinsseite die Fanclubbetreuung überantwortet hat, statt sich wie die anderen Vereine selbst zu kümmern, dann kann man das auch gleich sein lassen mit dem Thema „Schalke soll seriöser dargestellt werden“

Ein Vorstand ist gegenüber seinen Mitgliedern (zumindest moralisch) zur Auskunft verpflichtet. Will er dieser Verpflichtung nicht nachkommen, bleibt nicht das Verfahren als Ausrede, sondern nur der Rücktritt und Aufarbeitung durch Unbeteiligte, die den Mitgliedern dann wieder Auskunft geben (können). Es zeigt sich, dass die Einladung ganz offensichtlich nur ausgesprochen wurde, um der Petition zuvorzukommen, damit man eine eigene Tagesordnung durchdrücken kann und um Herr des Verfahrens zu bleiben. Eine Einladung zur Aussprache, auf der ich nichts sagen möchte, ist andernfalls sinnlos. Und Anzeige wurde am 17.09.2015 schon vor der Einladung erstattet, was diese zwar nicht erklärt, die plötzliche Rückzahlung vier Tage später aber erklären könnte.
Offensichtlich soll das Bollwerk SFCV längstmöglich bestehen bleiben, damit die dort angestellten Amtsträger mindestens noch bis zur ordentlichen Mitgliederversammlung weiter ein Einkommen beziehen, wenn nicht durch „Überzeugungsarbeit“ alter Schule („wenn Ihr nicht für mich seid, könnt Ihr Euch schonmal von Euren Fanclubkarten verabschieden“) sogar eine Verlängerung erzielen können.
Dem Hauptverein wird es recht sein. Durch die Anzeige von E. Ulupinar ist er nicht betroffen, da greift bestenfalls die in Bonn erstattete Anzeige. Und solange da nichts durch ist und vielen die Querelen im Kartenverteilverband schon zuwider sind, solange hinterfragt keiner die Rollen der direkt Beteiligten (Peters, Fürderer, Schnusenberg) auf Seiten des FC Schalke 04 sowie des damaligen Aufsichtsrats (mit den heute noch aktiven Mitgliedern Tönnies und Buchta), der laut Presseinformation von Frau Kleine-Wilde ja über alles Bescheid gewusst hat.
Es scheint an allen Ecken und Enden auch darum zu gehen, die erneute Aufstellung und Wiederwahl des Clemens Tönnies zum Aufsichtsrat nicht durch diese Vorwürfe zu verhindern. Sollen sie sich doch im SFCV rumprügeln, dann hat keiner Zeit, sich mit den Machenschaften das Karaokefreunds aus Rheda zu beschäftigen. Hoffentlich hat er da die Rechnung nicht ohne den Wirt, der in diesem Fall ein Staatsanwalt genauso wie ein Wahlausschuss sein kann, gemacht. Oder doch, hoffentlich!

Statement der Schalker zum Badge und meine Meinung dazu

 

FALSCH!

Ihr habt nicht eure Schlüsse gezogen, ihr seid eingeknickt! Spätestens durch die Tatsache, dass ihr keinen Badge ohne die Tageszeitung drauf verwenden durftet, hat sich gezeigt, dass es bei dieser ganzen Aktion zu keinem(!) Zeitpunkt um Flüchtlinge ging, sondern nur um eine Art von Greenwashing des größten Hetzblatts der Republik.

Die einzig richtige Antwort darauf ist und bleibt der Verzicht, für den die entsprechenden Entscheider in meinem Verein leider nicht das entsprechende Rückgrat haben. Es wird Zeit, dass alle Mitglieder dies realisieren und bei zukünftigen Entscheidungen entsprechende Konsequenzen ziehen! Das oberste Gremium eines Vereins ist und bleibt die Mitgliederversammlung, also die Meinung der Mitglieder. Diese wurde hier in schändlicher Art und Weise missachtet!

Keine Unterstützung der BILD-Aktion der Bundesliga

Am kommenden Wochenende möchte die DFL sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und möchte sich mit einer Aktion auf dem Trikotärmel für Flüchtlinge einsetzen. So gut das Anliegen auch ist, so schlecht ist der gewählte Partner. Statt sich mit einem „refugees welcome“ oder ähnlichem zu begnügen, muss es ausgerechnet eine Aktion der BILD-Zeitung unter der Überschrift „Wir helfen“ sein, was vielen Fußballfans jeglicher Trikotfarbe sauer aufstößt. Nicht zuletzt der BILD-Zeitung ist es mit ihren plakativen, aber zumeist schlecht recherchierten bzw. (vorsätzlich?) verdrehten Artikeln zu verdanken, dass es in Deutschland statt einer reinen Hilfskultur zu einer derart aufgeheizten Stimmung gekommen ist. Ein solcher Partner, der sich nun mit einer Sponsoraktion reinwaschen will, steht der Bundesliga nicht gut zu Gesicht.

Der FC St. Pauli hat dann auch richtigerweise beschlossen, sich dieser Aktion nicht anzuschließen. Der Verein setzt, so Geschäftsführer Andreas Rettig, stattdessen auf die bisherigen Massnahmen wie EInladung der Flüchtlinge gegen Borussia Dortmund und dem Engagement vom Verein, aber auch privat von seinen Angestellten und Spielern. Die unangebrachte Reaktion des Chefredakteurs der vier Buchstaben sowie ein weiterer, plakativer Artikel zeigen dann auch recht deutlich, dass es der BILD nicht um die Sache an sich geht.


(Tweet von Kai Dieckmann)

(Überschrift der Bild)

Dies habe ich dann zum Anlass genommen, meinen anderen Verein, der sich in letzter Zeit durch die Aktion #stehtauf viel Zustimmung von allen Seiten, auch dem Lokalrivalen erworben hat, anzuschreiben und ihn aufgefordert, es dem FC St. Pauli gleich zu tun. Die entsprechende Mail zur eigenen Verwendung oder zur Bezugnahme habe ich dann hier eingebunden:

Werte Vereinsvertreter,
zuerst einmal großes Lob für die letzten Aktionen wie die Kumpelkiste und #stehtauf. Diese erfüllen das Leitbild des FC Schalke 04 in vorzüglicher Weise und werden somit auch dem §2 der Vereinssatzung mehr als nur gerecht.

Mit Befremden habe ich daher zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich dieser, unser Verein von der BILD-Zeitung instrumentalisieren lassen will. Der Anlass, sich für Flüchtlinge einzusetzen, ist gut und richtig, dabei muss man aber nicht Werbung für eine Zeitschrift laufen, deren überwiegende Berichterstattung Hetze gegen Ausländer, Nicht-Christen und Flüchtlinge darstellte und somit nicht ausgeschlossen werden kann, dass eben solche Artikel auch Leute auf die Idee gebracht haben, sich in ungesetzlicher und erbärmlicher Art gegen Flüchtlinge, ihre Heime oder als solche ausgesuchte Häuser zu vergehen.

Bitte nehmt Euch ein Beispiel an der Integrität des FC St. Pauli und nehmt nicht an diesem Reinwaschen der BILD teil, sondern bleibt auf dem bisher eingeschlagenen Pfad und unterstützt individuell die notleidenden Flüchtlinge.

Mit königsblauen Grüßen,

NAME // Mitgliedsnummer

Transfergedöns Sommer 2015

Anfang der Woche schloß dann endlich das Transferfenster. Ein Pay-TV-Anbieter mit eigenem Kanal für Sportnachrichten machte daraus sehr schnell den „Deadline Day“, gleichwohl in anderen Ländern durchaus länger als bis Montag gewechselt werden durfte. Einstmals gedacht, um auf den Beginn der Saison nochmal reagieren zu können (Verletzungen, Fehlstart o.ä.), wurde der Hype nicht zuletzt dadurch befeuert, dass sich offenbar immer mehr Verantwortliche bzgl. der Personalplanung an diesem Datum statt am ersten Trainingslager oder dem ersten Pflichtspiel orientieren. Wenn man also wissen, besser erahnen und/oder wetten will, wie ein bestimmter Verein abschneidet, empfiehlt es sich, dieses Transferfensterende abzuwarten (was in Teilen sogar später oder gleichauf mit der ersten Trainerentlassung liegen kann, siehe dieses Jahr Union Berlin). Und als Trainer sollte man nicht allzuviel auf das Einstudieren taktischer Finessen in den Trainingslagern setzen.

Mit „meinen“ beiden Vereinen war ich dann auch noch betroffen. Während des Auswärtsspiels beim FSV Frankfurt ergab sich die Meldung, dass Halstenberg den FC St. Pauli verlässt und sich stattdessen Leipzig anschließt. Kann man ob der scheinbaren Gegensätzlichkeit der beiden Vereine im Hinblick auf den Spieler durchaus ein wenig mit dem Kopf schütteln, so ist der finanzielle Rahmen der Ablösesumme schon nennenswert (man spricht von 3 Mio. €) für einen Zweitliga-Club, die Entscheidung aus Vereinssicht folgerichtig. Ein weiterer Abgang ist Ante Budimir, den es nach Spanien zieht. Der Verein hat auf die Abgänge reagiert und dem zumindest in der Anzahl überlegen die Zugänge von Dudziak, Hornschuh, Picault und Drobo-Ampem gegenüber gestellt.

Anders die Situation hier vor Ort auf Schalke. Bedingt durch den Wechsel von de Bruyne auf die Insel machte sich der Klaus Allofs doch etwas ernsthafter an den Gladbecker Jung ran, als viele gedacht hatten. Wäre Juve zumindest etwas in der Kategorie „Champions League und schöne Stadt“ gewesen, so kann man das von Wolfsburg wahrlich nicht behaupten. Ganz ungeachtet, dass auch dieser Wechsel wie am Tag zuvor Halstenberg dem letzten Traditionalisten in der Anhängerschaft des abgebenden Vereins die Illusionen geraubt haben sollte, steht der Transfer Draxler aus meiner Sicht für uns Schalker mangels der Verpflichtung eines wie auch immer gearteten Ersatzes für eine Fehlplanung, die gutgehen kann, in den Verläufen der Hinrunden der letzten Jahren aber eher gescheitert wäre.

Die Gründe:

1. Vor dem 20. August hieß es, der Kader ist klein und jeder Abgang muss mit einem Zugang ausgeglichen werden.
(Screenshot von schalke-news.de über einen Beitrag des Kicker)

2. Breitenreiter hat in Statements nach dem Wechsel mehr als klar gemacht, dass man der Verein in der BL ist, der Qualität verloren hat (bis zum Wechsel von JD war es WOB).

3. Wenn also jetzt zuwenig Leute da sind, hilft einem die Winterpause auch nicht, wenn im Oktober (trotz Länderspielpause sieben Spiele) auf einmal viele Verletzte da sind.

4. Der Grund, niemanden zu kaufen, soll gewesen sein, dass nur noch „B-„Alternativen auf dem Markt waren! Das hat man vorher gewusst und hätte deshalb, nur für schlussendlich zwei bis vier Mio mehr als vorher geboten, bei einer solchen Ausgangslage nicht verkaufen dürfen.

5. Im Winter laufen keine Verträge aus, es sind nur Spieler auf dem Markt, die woanders nicht spielen. Das würde ich dann erst recht als B-Alternativen bezeichnen. Nur, dass anders als bei einem rechtzeitig eingestielten Ersatz die abgebenden Vereine die Verzweiflung Schalkes kennen würden und die Preise anziehen.

Dies wirft meiner Meinung nach diverse Fragen auf, die aber alle kein gutes Licht auf unseren Vorstand Sport werfen. Vor dem Hintergrund, dass Jule bereits gegen Ende der letzten Saison mitgeteilt hat, in dieser Transferperiode wechseln zu wollen, hätte ein frühzeitiges Bemühen um einen Ersatz hohe Priorität gehabt. Gleich ob man sich nur zierte, um den Preis ein wenig hochzutreiben (wodurch der Wechsel für den Abgebenden deutlich früher klar wäre) oder ob es wirklich, wie dargestellt, die vergleichsweise geringe Erhöhung um einen unteren bis mittleren, einstelligen Millionenbetrag war, die zum „Umdenken“ und zur Abgabe führten, ein Ersatz hätte her gemusst.
Und dabei erwarte ich nicht zwingend, dass man den jungen Talenten nun einen gestandenen, teuren Spieler vor die Nase setzt. Ein weiteres Talent, welches man frühzeitg umworben nach Schalke hätte locken können und welches dazu beiträgt, dass die Belastungen sich auf mehr Schultern verteilen, hätte aus meiner Sicht mehr als ausgereicht. Nur überhaupt niemanden zu holen und auf ein gutes Gelingen, also wenig Durchhänger und erst recht keine Verletzungen zu hoffen, ist meines Erachtens (und vielleicht auch meinem Job geschuldet) fahrlässig. Geht es gut, war es Glück. Auch in diesem Fall sollte man sich aber überlegen, ob man solch einem Gestümpere (man beachte allein die verschiedentlichen Deadlines, die alle wirkungslos verpufften) mit einem neuen Vertrag weiter Vorschub leistet. Geht es schlecht, ist zumindest der Manager nicht mehr zu halten. Und die Rolle des allmächtigen AR-Vorsitzenden, der per Eilausschuss unter Zuhilfenahme eines weiteren, stets Tönnies‘ Meinung bejahenden AR-Mitglieds eine Art Alleinherrschaft betreibt, gehört spätestens dann hinsichtlich einer möglichen erneuten Zulassung zur Kandidatur ernsthaft geprüft. Gründe dagegen gäbe es eine Menge.