Mixtape mit 16

Wie im vorherigen Beitrag erwähnt ist ein Grund für die Erstellung dieses kleinen Blogs auch, dass ich dann einen Platz habe, um auch mein „Mixtape mit 16“ zu veröffentlichen. Auf Twitter gab es Diskussionen, wie ein solches Mixtape wohl aussehen würde. Und während ich so vor mich hinsinnierte, kamen dann schon die ersten Listen in die Timeline, von mir mal mehr und mal weniger bekannten Leuten. Dies hat mich dann doch dazu motiviert, mich weitergehend damit auseinanderzusetzen.

Zur Einschätzung meines Tapes sei dabei kurz erwähnt, dass ich in 1988 gut vier Monate und in der Folge dazu im Jahr 1989 die ersten acht Monate 16 Jahre alt war. Obwohl gerade zu der Zeit Charts eher peripher mein Hörinteresse trafen, habe ich zumindest mal die Jahrescharts beider Jahre betrachtet. Wie zu erwarten, kein Song dabei, der mich direkt vom Hocker knallen und mich in meiner Musik bzw. in Youtube suchen ließe. Keine Überraschung, denn in der Zeit hörte ich, was nicht wenige Menschen als „Krach“ bezeichneten. Und so enthält dieses Tape auch die Bands aus dem eher Pop/Rock-Sektor, die ich vor dieser Phase bereits hörte, Heavy Metal und sozusagen deutschsprachigen Spaßpunk. Nichtsdesto trotz haben es zwei Songs in den Mix geschafft, deren Bands ich damals hörte und deren Genre ich, gemäß dem Motto „aus dem Bereich habe ich jetzt alles relevante gehört“, in der Folge weitgehend ausgespart habe. Diese haben Platz gefunden, weil ich mich der bei anderen gelesenen ungeschriebenen Regel gefügt habe, eine Band nicht mehrfach zu verwenden. In der damaligen Realität hätte es eher zwei, wahrscheinlich drei Tapes gegeben zu den oben genannten Genres gegeben, wo zwangsläufig auf jedem die genannten Bands mit mehr als nur einem Song aus ihren Schaffenswerken vorhanden gewesen wären.

Fangen wir also an, in einer Reihe von eher seichter zu eher härter, damit der geneigte Leser/Hörer an jeder Stelle ein- oder aussteigen kann:

Seite A
1. Simple Minds – Sanctify Yourself 5:00
Auf einer Autokassette von 1994 war immer noch „Don’t You“ drauf, außerdem waren dieses Lied und „Promised You a Miracle“ immer Favoriten von mir, so dass aktuelle Songs es in der Tendenz eher schwer hatten.

2. U2 – Heartland 5:03
Die erste Band, die ich selbst für mich gefunden habe und somit auch die Band, der ich am längsten treu bin. Kurz nach meinem Geburtstag kam die „Rattle and Hum“ raus, dieser Song hat mich trotz anderweitiger Auskopplungen am meisten getroffen, wenn man die Coversongs außen vor lässt.

3. Marillion – Incommunicado 5:17
Incomunnicado habe ich stellvertretend ausgewählt. Mein All-Time-Fave in Sachen Album ist „Misplaced Childhood“, wo ich aber, ganz Konzeptalbum, keinen Song rauspicken möchte. Von meinen drei liebsten Songs außerhalb dieses Albums ist es das aktuellste Lied, sowohl vor meinem 16. als auch in Gänze betrachtet (die anderen beiden sind „Fugazi“ und „Script for a Jester’s Tear“).

4. The Cure – In Between Days 2:57
War auf vielen meiner Tapes drauf, zurecht. Immer noch einer der geilsten Songs schlechthin, auch wenn ich in einer anderen Mixtape-Liste nochmal einen Tipp bekommen habe, der mich mein Ohr mal wieder auf das zugehörige Album richten lässt.

5. Sisters of Mercy – Lucretia My Reflection 4:17
Beispielhaft als eine der Auskopplungen aus „Floodland“. Das Album kam schon Ende 1987 und war damals ein Dauerläufer bei mir.

6. New Model Army – Vagabonds 5:21
Seitdem ich „51st State“ gehört hatte, ist diese Band immer in Beobachtung gewesen. Damals wäre sogar wahrscheinlicher, dass es der deutlich ältere Song geworden wäre, aber an Vagabonds kommt man auch schlecht vorbei.

7. 2 Live Crew – Me So Horny 4:36
Wie eingangs erwähnt kommt hier der kleine Bruch. Bei dieser und der folgenden Band habe ich mich von zwei bis drei Kollegen ausnahmsweise doch mal in eine ganz andere Richtung beeinflussen lassen.

8. N.W.A. – Fuck Tha Police 5:43
Auch bei einem ungewöhnlichen Genre durfte es gerne mal ein bisschen Protest und Skandal sein, so wie auch später mit Body Count und Copkiller.

9. Die Toten Hosen – 1000 gute Gründe 3:33
Ein kleines bisschen Horrorshow, und es ging immer deutlicher in Richtung Kommerz. Aber noch wurde den Hosen die kleine Westfalenhalle 3 zugewiesen, weniger Leute da als dieses Lied Gründe hat. Ein Jahr später war es dann die große Halle, ausverkauft, und der Hype begann.

10. Dimple Minds – Blau auf’m Bau 3:06
Bei „No Remorse Records“ unter Vertrag, ein kleiner Plattenladen 50 Meter von meiner Schule. Ganz zufällig hat man uns da die Dimple Minds empfohlen. Wir haben es aber auch nicht bereut.

 

Seite B
1. Die Ärzte – Geschwisterliebe 4:11
Ja, ich habe sowohl Hosen als auch Ärzte gehört, so wie ich auch später Subway to Sally und In Extremo gehört habe. Dieses „ich höre die, also kann ich die nicht hören“ war mir schon immer zu blöd. Allerdings bin ich erst über den Gedanken der Zitronen darauf gekommen, dass Hosen und Ärzte damals bei uns noch Dauerbrenner waren.

2. Abstürzende Brieftauben – Filmriss 2:50
Zwei Mann, mehr brauchte es nicht. Es war herrlich schräg, und einige Songs sind mir bis heute ständig im Kopf.

3. Die Goldenen Zitronen – Häuser der Reichen 2:16
Mein absolutes Lieblingslied der Zitronen. Konnte insgesamt mit „Kampfstern Mallorca“ mehr anfangen als mit dem Erstling, der allein schon durch Erwähnung des falschen Hamburger Fußballvereins Minuspunkte machte.

4. Anthrax – I am the Law 5:57
Waren als Band auf dem ersten Metaltape außer dem hier und da aufgeschnappten Maidenzeugs, was ich in die Finger bekam. Eine Seite Anthrax, die andere Seite Metallica. Und zu dem Song muss man nix mehr sagen, er ist ein gern gehörter Begleiter über die Jahre geworden wie „Indians“ und „Antisocial“.

5. Megadeth – Peace sells 4:04
Wer war der Kerl. der bei Metallica war und hinterher doch nicht war. Mir war egal, wer wann mit wem Probleme hatte. Manchmal sind so Splits gut, so kommt mehr gute Mucke auf den Markt, als wenn sich Menschen innerhalb einer Band behindern.

6. Iron Maiden – Rime of the ancient Mariner 13:44
Mit dem damals aktuell erschienenen „Seventh Son …“ habe ich mich zunächst etwas schwer getan. Und ungeachtet diverser Lieblingssongs waren es gerne die epischen Stücke, die mir zusagten. Zu der Zeit schon, und später erst recht. Aus Gründen, wie man auf Twitter so schreibt. Du wirst nie vergessen, Christian!

7. Metallica – And Justice for All 9:44
Das Album kam eine gute Woche nach meinem 16. raus, und alle waren ganz gespannt, wie Metallica ohne Cliff klingen. Es ist ein gutes Album geworden, und in der Rückschau ist klar, dass ich das Lied wählen musste, welches ich Jahre später überraschend zweimal hintereinander zum Warmmachen einer Band während des Wartens auf ihren Drummer spielen musste, ohne bis dahin ein eigenes Kit zu besitzen und nennenswert gezockt zu haben. Egal, wir haben es irgendwie geschafft, beim ersten Mal in guten 13 Minuten, beim zweiten Mal dann etwas schneller.

 

Das ist es also, mein Mixtape mit 16. Ich bin dankbar, mich mit meinem eigenen als auch den Tapes der anderen auseindergesetzt zu haben und dies noch weiter zu tun. Durch die unterschiedlichen Jahrgänge kommen dabei schöne Erinnerungen hoch und bringen einen dazu, auch mal wieder ein bestimmtes Album rauszukramen (ja, meistens Album und weinger Singleauskopplung, wie bei Metallern so üblich). Und darüber hinaus bin ich froh, dass es nicht Mixtape mit 20 hieß, denn da wäre sicherlich nicht so ein cooles Ding bei rumgekommen, alldieweil ich nach Heirat und so vorübergehend mehr „kompatible“ Musik gehört habe. Wer sich dafür interessiert, welche Songs ich gewählt hätte, wenn es nur aus den Jahrescharts hätte sein dürfen, der kann bei rosaswelt in das Mixtape schauen, da würde sich am ehesten das eine oder andere von finden lassen (wenn man so Schwachpunkte übersieht, dass „Personal Jesus“ an meinem 17. Geburtstag rauskam und nicht mehr gelten würde).

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3 Antworten zu “Mixtape mit 16

  1. Pingback: Mixtape mit 16: Seien Sie tapfer! | Ansichten aus dem Millionendorf

  2. ‚Dieses “ich höre die, also kann ich die nicht hören” war mir schon immer zu blöd.‘

    Mir auch. Ich kenne aber auch viele Leute, die damals Hosen und Ärzte gehört haben.

    2 Live Crew sind großartig! Die hab ich komplett vergessen, obwohl ich alle Jubeljahre mal wieder so einen Rappelk habe wo ich sie höre. Außerdem basiert ja auch „Frohes Fest“ von Fanta4 auf One on One.

    The Fuck Shop ist super.

    Gefällt 1 Person

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